Anti-Rassismus: 15 Tipps, was Du als weiße Person tun kannst

Lesezeit: 9 Minuten Die Tötung von George Floyd war der letzte Gipfel der Gewalt in einem rassistischen System. Doch was können wir als weiße Menschen tun, um den Kampf gegen Rassismus zu unterstützen? 15 Tipps und mehr Infos findest du im Artikel.
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Wir alle haben mitbekommen, was in den letzten Tagen in den USA geschehen ist: Der Afro-Amerikaner George Floyd starb, nachdem er zuerst von Polizeibeamten verprügelt und schließlich zu Boden gedrückt wurde, indem ein Polizeibeamter auf seinem Hals kniete. Die beteiligten Polizisten wurden zwar entlassen, dennoch hat es beinahe vier Tage gedauert, bis der verantwortliche Officer festgenommen und ein Strafantrag gestellt wurde.

US-Präsident Donald Trump gießt mit seinen Äußerungen Öl ins Feuer und durch the land of the free scheint endgültig ein Riss zu gehen, der sich vielleicht nicht mehr schließen lässt. Jeden Tag protestieren Menschen gegen Rassismus, gegen Polizeibrutalität und für eine Änderung im gesamten politischen und gesellschaftlichen System.

George Floyds Tötung war der Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen brachte. Schließlich ist der Rassismus – egal, ob in den USA oder woanders auf der Welt – nicht auf diesen Fall von Polizeibrutalität beschränkt. „Ein Extremfall ist kein Maßstab für eine Diskriminierung, sondern ein Beispiel dafür, wie schlimm die Dinge werden können“, schreibt Max Czollek in seinem Buch „Desintegriert euch!“.

Auch in Deutschland haben sich mittlerweile viele Stimmen erhoben, die sich gegen Rassismus aussprechen. Doch in diesen Zeiten – und in Zukunft – reicht es nicht, kein Rassist zu sein. Wir müssen aktiv anti-rassistisch sein.

It’s not enough to be not racist, you must actively be anti-racist.

Bürgerrechtlerin Angela Davis

Du möchtest dich mit den Demonstranten in den USA solidarisieren, eine wertvolle Unterstützung für Schwarze in Deutschland und dem Rest der Welt sein und aktiv Anti-Rassismus leben? Dann fasse ich in diesem Beitrag einige Tipps für dich (und mich!) zusammen.

Eines ist in diesen Tagen besonders wichtig: Als weißer Mensch einen Schritt zurückzugehen und diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die direkt vom Thema betroffen sind und jetzt Unterstützung benötigen: Schwarze Menschen überall auf der Welt. Meine Absicht ist es nicht, die Lorbeeren für diesen Beitrag einzuheimsen. Ich fasse lediglich zusammen und übersetze, um die vielen wertvollen Tipps, die schwarze Menschen bereits gegeben haben, für weiße Menschen zugänglich zu machen. Ich habe die Hoffnung, dass ich somit noch ein paar Menschen mehr erreiche, die etwas lernen.

Damit sie nicht untergehen, hier ein Überblick über meine Quellen für diesen Beitrag:

Was Du als weiße Person gegen Rassismus tun kannst

1 | Kümmere dich um deine schwarzen Freunde, Familienmitglieder und Kollegen: Auch, wenn viele Schwarze weit weg sind von den Ereignissen in den USA und konkret Minneapolis – für einige sind das gerade schwere Zeiten, beängstigende Bilder und traumatische Erlebnisse. Erkundige dich, wie es ihnen geht und frag, ob du etwas für sie tun kannst.

2 | Werde dir deines Privilegs bewusst: Als weißer Mensch bist du privilegiert. Das ist ein Fakt, über den wir nicht diskutieren müssen. Du musst wegen deiner Hautfarbe keine Angst vor Diskriminierung oder Gewalt haben. Du musst dich nicht ständig demütigenden Kontrollen unterziehen, hast nicht aufgrund deiner Hautfarbe Probleme bei Job- oder Wohnungssuche. Du bist überall repräsentiert – in den Medien, der Politik, Vorständen: überall weiße Menschen. Einzelne diskriminierende Erfahrungen oder eine Beleidigung als „Kartoffel“ sind kein Ausdruck von strukturellem Rassismus. Informiere dich darüber, was white privilege bedeutet und welchen Einfluss white supremacy in der Welt und in deinem Land hat. Sei dir klar, dass es nicht immer einfach ist, aktiv anti-rassistisch zu sein. Es ist nicht immer eitel Sonnenschein, sich seines eigenen Privilegs bewusst zu werden. Es ist notwendig und normal, dass du Schuld, Scham und Wut fühlen wirst. Das gehört zum Prozess, da musst du durch.

3 | Beschäftige dich mit deinem eigenen Rassismus: Unsere Gesellschaft ist rassistisch. Rassistische Strukturen ziehen sich durch das Schulsystem, durch Institutionen, durch die Gewalten und Unternehmen in diesem Land. Der erste Schritt ist, zu akzeptieren, dass wir alle Fehler machen und manchmal etwas Rassistisches sagen, obwohl es nicht unsere Absicht war. Niemand ist perfekt, niemand kommt allwissend zur Welt. Es bringt dir nichts, zu sagen, dass du „keine Hautfarben siehst“ und für dich „alle gleich“ sind. So eine Haltung nimmt Rassismus gegen Schwarze nicht ernst. Du musst Rassismus anerkennen, auch in dir selbst, um dagegen vorzugehen. Das Problem ist nicht, unterschiedliche Hautfarben zu sehen, denn die gibt es. Das Problem entsteht dann, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe schlechter behandelt werden.

4 | Beschäftige dich mit dem Rassismus in deiner Umgebung: Rassismus gibt es nicht nur in den USA und auch Polizeigewalt ist kein Phänomen, das die Vereinigten Staaten für sich gepachtet haben. Institutionalisierter Rassismus und weiße Dominanz sind reale Probleme in Europa und auch in Deutschland. Jedes Jahr zu Karneval malen sich unzählige Menschen ein „blackface“ oder wählen andere rassistische Kostüme, die Anschläge von Hanau und Halle waren rassistisch motiviert und auch in Deutschland sind schon Menschen in Polizeigewahrsam gestorben (siehe dazu exemplarisch der Fall Oury Jalloh).

5 | Beschäftige dich mit der Geschichte: In Deutschland sind Themen wie Rassismus und Diskriminierung immer auch eng mit dem Holocaust verknüpft. Doch wie Alice Hasters schrieb: Hitler hat den Rassismus nicht erfunden. Beschäftige dich mit der Entstehung von „Rassentheorien“ und Kolonialisierung, um rassistische Systeme zu verstehen.

6 | Informiere dich über die verschiedenen Formen von Rassismus und Rassifizierung: People of Colour sind nicht immer schwarz. Auch asiatisch oder arabisch aussehende Menschen sind people of colour. Sie alle sind von institutionalisiertem Rassismus betroffen. Doch Sprache und Muster verändern sich, je nachdem über welche Bevölkerungsgruppe gesprochen wird. Bei den Protesten in den USA geht es beispielsweise speziell um anti-blackness.

7 | Schwarze Stimmen stärken und ihnen zuhören: Teile auch, aber nicht nur, online Beiträge von schwarzen Menschen. Diese Beiträge sind schnell weggeklickt und vergessen. Schwarze Menschen sind auch Autor*innen, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und vieles mehr. Beschäftige dich mit ihren Arbeiten, empfehle sie weiter, lerne daraus.

8 | Petitionen unterzeichnen: Ein simples Werkzeug, deine Stimme zu nutzen, ist, Petitionen zu unterzeichnen, die gegen Rassismus und für mehr Gerechtigkeit kämpfen. Derzeit gibt es beispielsweise die Petition, die Gerechtigkeit für George Floyd fordert. Weiter unten im Artikel findest du weitere Petitionen, die du unterzeichnen kannst.

9 | Spenden: Wenn es dein Konto zulässt, put your money where your mouth is. Spende für Organisationen, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen. Aktuell spenden auch viele Menschen an Organisationen in den USA, die dabei helfen, Demonstranten aus dem Gefängnis zu holen oder ggf. vor Gericht zu verteidigen. Mögliche Spendenziele findest du ebenfalls am Ende des Artikels.

10 | Online-Aktivismus: Egal, ob du 10 oder 10.000 Follower hast – es ist wichtig, die Diskussionen online am Laufen zu halten und Bewusstsein zu schaffen. Schweigen ist ein Privileg und kann in diesen Zeiten als Zustimmung zum rassistischen System verstanden werden. Engagiere dich auch über Posts und Storys hinaus in Diskussionen. Stelle dich dabei nicht in den Mittelpunkt, sondern teile Beiträge von denjenigen, die direkt an den Protesten beteiligt sind oder als Schwarze eine Expertenrolle einnehmen. Vermeide es dabei aber, verstörende Inhalte zu teilen. Bilder von (schwarzen) Menschen, die Gewalt erfahren, können traumatisch und triggernd sein für die, denen du zur Seite stehen willst.

11 | Offline gegen Rassismus: All dein Online-Engagement bringt leider wenig, wenn du dich offline nicht genauso stark gegen Rassismus aussprichst. Ja, es kann echt unangenehm sein, Freunde und Familie auf rassistische Aussagen und Verhaltensweisen aufmerksam zu machen, aber es ist notwendig. Sei außerdem präsent auf Demonstrationen oder anderen Protest- und Gedenkveranstaltungen und nutze deine Stimme an der Wahlurne.

12 | Hör auf mit kultureller Aneignung: Kulturelle Aneignung heißt kurz gesagt, du nimmst dir einen Teil einer anderen Kultur und nutzt ihn zu deinem eigenen Vorteil. Häufig werden vor allem die Kulturen von Gruppen verwendet, die diskriminiert wurden oder werden. Beispielsweise die Verkleidung als „Ind*aner“ an Karneval (Symbole indigener Völker Nordamerikas) oder blackfacing, also das dunkle Anmalen von Gesicht und/oder Körper, um Schwarze darzustellen. Werde dir außerdem bewusst, dass viele Bewegungen von schwarzen Menschen angestoßen oder entscheidend mitgetragen wurden: #MeToo, Body Positivity und Pride zum Beispiel. Es ist also an der Zeit, sich auch mit den Kämpfen schwarzer Menschen zu solidarisieren.

13 | Gib dein Wissen weiter: Sprich es an, wenn jemand in deinem Umfeld etwas Rassistisches sagt. Familie, Freunde, Fremde, Medien – überall. Erkenne dein Privileg als weißer Mensch und nutze es für etwas Gutes. Hilf den Menschen um dich herum, sich ebenfalls zu bessern. Empfehle ihnen Bücher, Filme, Podcasts, die dir geholfen haben, das Thema besser zu verstehen. Vergiss dabei aber nie, dass es einen Unterschied macht, ob du ein Verbündeter bist oder für eine Minderheit sprechen willst.

14 | Bleib offen und kritikfähig: Du nutzt dein Privileg, um andere aufzuklären? Super. Aber rechne auch stets damit, dass andere dich auf problematisches Verhalten oder rassistische Ausdrücke hinweisen. Fehler machen ist menschlich. Mache deine Kritiker nicht mundtot, sprich Schwarzen oder anderen people of colour nicht ihre Erfahrungen ab, relativiere nicht. Nimm die Kritik an und lerne daraus.

15 | Mach weiter, auch wenn es ruhiger wird: Wir wissen nicht, wann die Proteste in den USA ein Ende finden werden und wie es danach weitergehen wird. Aber wenn du aktiv anti-rassistisch sein willst, darf dein Engagement nicht mit den Protesten enden. Unterstütze weiterhin die Stimmen und Arbeiten von Schwarzen und anderen people of colour und informiere dich kontinuierlich, wie und wo du dich engagieren kannst.

Don’t: Was du nicht tun solltest

  • Weine dich nicht bei schwarzen Menschen über deine weiße Schuld aus. Ja, sich seiner Privilegien bewusst zu werden und zu verstehen, dass man trotz anti-rassistischen Engagements noch von diesem System profitiert, kann Schuld- und Schamgefühle mit sich bringen. Das fühlt sich scheiße an. Für Schwarze und andere people of colour fühlt sich Rassismus jeden Tag scheiße an. Belaste sie nicht noch zusätzlich mit deinen weißen Tränen. Deine Gefühle sind nicht wichtiger als der tägliche Kampf gegen Rassismus.
  • Verlange nicht von schwarzen Menschen, dass sie dich an die Hand nehmen oder kostenlos Bildungsarbeit für dich leisten – egal, ob online oder in deinem direkten Umfeld. Hör ihnen zu, wenn sie etwas zu sagen haben. Viele haben etwas zu sagen, du musst nicht mal lange danach suchen, um zu lernen. Nimm deine Bildung selbst in die Hand.
  • Vergleiche Rassismus nicht damit, dass dich mal jemand „Kartoffel“ genannt hat oder dass im letzten Thailand-Urlaub jemand ein Foto mit dir als blondem, weißem Menschen machen wollte. Es ist nicht das Gleiche. Es mag unangenehm für dich gewesen sein, aber du profitierst trotzdem noch immer von rassistischen Strukturen. Du bist nicht das Zentrum dieses Problems.
  • Spiele nicht den weißen Retter. Du bemühst dich, das Leid zu verringern, dass wir als weiße Menschen verursacht haben. Du bist kein Retter oder Erlöser. Sich gegen Rassismus einzusetzen ist eigentlich das absolute Minimum, das man von Menschen erwarten kann, also rechne nicht mit einer Goldmedaille.
  • Hör auf, schwarze Menschen zu bevormunden. Schreib ihnen nicht vor, wie sie sich in welchen Situationen zu fühlen oder zu verhalten haben. Erkläre ihnen nicht, wie sie richtig zu trauern, zu diskutieren, zu sprechen oder zu protestieren haben.

Wir alle können lernen und wachsen. Dazu stehen uns beinahe endlosen Ressourcen zur Verfügung, im Internet sogar größtenteils kostenlos. Es gibt keine Ausrede mehr, sich nicht zu informieren.

Petitionen, die du unterstützen kannst

Mögliche Spendenziele

Filme und Serien, die du schauen kannst, um dich weiterzubilden

Alle diese Filme und Serien sind frei oder bei Netflix verfügbar:

Sachbücher zu Anti-Rassismus

Diese Bücher sind von deutschsprachigen Autor*innen oder ins Deutsche übersetzt. Sie sind alphabetisch nach Buchtitel sortiert:

Englischsprachige Sachbücher:

Deutschsprachige Podcasts

Romane, Kurzgeschichten, Graphic Novels und Lyrik

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