Doku-Tipp: Knock down the House

Lesezeit: 4 Minuten Mein Filmtipp zur aktuellen US-Politik: Die Dokumentation „Knock down the House“ beleuchtet den Weg von 4 Demokratinnen in den midterm elections von 2018. Im Fokus steht dabei Politik-Shooting-Star Alexandria Ocasio-Cortez. Mit gerade einmal 86 Minuten gibt er auch jenen einen guten Einblick in das politische System der USA, die sonst nicht viel damit zu tun haben.
Lesezeit: 4 Minuten

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Weil ich in den letzten Tagen nicht genug Zeit und Energie für ausführliche Recherche hatte (obwohl es so viel zu schreiben gibt!), gibt es heute noch einen Medien-Tipp von mir. Ich möchte euch die Dokumentation „Knock down the House“ (Deutsch: Frischer Wind im Kongress) vorstellen. Damit könnt ihr euch dann vielleicht bis zum nächsten Beitrag beschäftigen, haha.


Die Fakten:

  • Titel: Knock down the House (Frischer Wind im Kongress)
  • Regie: Rachel Lears
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Dauer: 86 Minuten
  • Wo kann man den Film gucken? Netflix 
  • Mehr Informationen: knockdownthehouse.com

Darum geht es:

Als ihre Familie mitten in der Finanzkrise von einer Tragödie heimgesucht wurde, musste die in der Bronx geborene Alexandria Ocasio-Cortez Doppelschichten in einem Restaurant arbeiten, um ihr Haus vor der Zwangsvollstreckung zu retten. Nachdem sie einen geliebten Menschen durch eine vermeidbare Krankheit verloren hatte, wusste Amy Vilela nicht, was sie mit ihrer Wut über das kaputte amerikanische Gesundheitssystem anfangen sollte. Cori Bush ging auf die Straße, als die Erschießung eines unbewaffneten schwarzen Mannes durch die Polizei Proteste und Panzer in ihre Nachbarschaft brachte. Paula Jean Swearengin hatte es satt, zuzusehen, wie Freunde und Familie unter den Umweltauswirkungen der Kohleindustrie leiden und sterben.

In einem Moment historischer Unbeständigkeit in der amerikanischen Politik beschließen diese vier Frauen, sich zu wehren und sich auf eine Reise zu begeben, die ihr Leben und ihr Land für immer verändern wird. Ohne politische Erfahrung oder Unternehmensgelder bauen sie eine Bewegung aufständischer Kandidaten auf, die die mächtigen Amtsinhaber im Kongress herausfordern. Ihre Bemühungen führen zu einem legendären Aufruhr.


Frischer Wind im Kongress

Worum es in „Knock down the House“ geht, lässt der deutsche Titel schon erahnen: Frischer Wind im Kongress. Die Dokumentation von Rachel Lears begleitet vier US-amerikanische Demokratinnen, die bei den midterm elections 2018 zur Kongresswahl angetreten sind. Sie alle haben gemeinsam, dass sie absolute Neulinge im Bereich Politik sind und dass sie gegen etablierte, männliche Kandidaten antreten. Der Fokus der Dokumentation liegt auf Alexandria Ocasio-Cortez aus New York, die mittlerweile zu einem politischen Shooting-Star geworden ist, beleuchtet aber auch den Wahlkampf von Amy Vilela (Nevada), Paula Jean Swearengin (West Virginia) und Cori Bush (Missouri).

Gleichzeitig begleitet der Film Organisationen wie Brand New Congress und Justice Democrats und bringt dem Zuschauer „Graswurzelbewegungen“ näher, also Bewegungen, die aus der Basis der Bevölkerung entstehen. Alle vier Kandidatinnen haben sich auf die Fahnen geschrieben, ohne Gelder von Unternehmen und Lobbyisten auszukommen. Sie wollen unabhängig bleiben und obwohl sie Demokratinnen sind, ist ihnen die Parteizugehörigkeit nicht so wichtig wie die Mentalität, etwas erreichen zu wollen, Ziele umzusetzen und Versprechen zu halten.

Politische Eliten hinterfragen

Es ist seltsam, in diesen Zeiten eine Dokumentation über Politik zu schauen und sich danach positiv und enthusiastisch zu fühlen. Aber der Geist dieser Graswurzelbewegung bewirkt genau das: Er weckt eine Art Aufbruchstimmung und die Überzeugung, alles erreichen zu können, wenn man dafür kämpft.

Die politische Situation in den USA ist natürlich eine andere als in Deutschland, dennoch lässt sich viel mitnehmen aus „Knock down the House“. Denn es geht einerseits um Repräsentation – von Frauen, von People of Colour, der Arbeiterklasse und anderen benachteiligten Gruppen. Andererseits geht es aber auch um das Hinterfragen von politischen Eliten und dem „Establishment“ – sind die, die seit Jahren und Jahrzehnten in ihren Ämtern sitzen, wirklich die richtigen an der Spitze? (Bitte dieses politische Engagement nicht mit Verschwörungstheorien verwechseln.)

Filmisch nicht überragend, aber leicht zugänglich

Ganz davon abgesehen, was man als Zuschauer für sich selbst mitnehmen kann, eröffnet die Dokumentation einen spannenden Blick auf das politische System der USA, in dem Geld so eine große Rolle spielt. Filmisch ist „Knock down the House“ dabei nicht herausragend (sogar ziemlich generisch, aber damit auch leicht zugänglich für alle, die sonst mit Dokus oder Politik nicht viel anfangen können, was ich daher nicht als Minuspunkt verstehe). Es wird schon deutlich, dass der Film den Zuschauer dahingehend manipulieren möchte, die Kandidatinnen zu mögen, aber auch das finde ich nicht verwerflich. Titel und Prämisse des Films machen seine Absicht ziemlich schnell deutlich.

Schade finde ich, dass die Geschichten von Cori Bush, Paula Jean Swearengin und Amy Vilela nur angeschnitten werden, obwohl ich verstehe, warum der Fokus auf AOC liegt. Dennoch hätte ich mir insgesamt etwas mehr Ausgewogenheit gewünscht.

Mein Fazit zu Knock down the House

Ich für meinen Teil war schon vor der Dokumentation Fan von Alexandria Ocasio-Cortez. Als Frau aus der Bronx mit puerto-ricanischen Wurzeln und einer starken Meinung steht sie für eine neue Generation in der Politik. Sie hat nicht nur Joe Crowley bezwungen – bis dahin einen der mächtigsten Demokraten im US-Kongress – sie war mit 29 Jahren auch die jüngste Frau, die es jemals in den Kongress geschafft hat.

Die Dokumentation „Knock down the House“ empfehle ich allen, die sich über das politische System der USA informieren möchten und/oder über Graswurzelbewegungen und/oder sich einfach nur politisch etwas motivieren lassen möchten. Mit 86 Minuten ist der Film nicht zu lang und wirft somit ein erstes Schlaglicht auf das, was politisch möglich wäre.